Aufruf in einfacher Sprache

Viele Menschen haben die gleiche Meinung: Rassismus ist schlecht! Trotzdem findet man Rassismus überall. Rassismus erkennt man nicht immer leicht. Rassismus steckt tief in unserer Gesellschaft und in unserem allgemeinen Umgang miteinander.
Wir wollen Rassismus überwinden, deswegen müssen wir die Geschichte verstehen. Die Geschichte ist die europäische Kolonialgeschichte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit haben Menschen aus Europa auf anderen Kontinenten Flächen eingenommen. Diese Flächen hießen Kolonnien. Dafür haben die Gewalt benutzt. Die Auswirkung davon merkt man immer noch. Damals haben sich weiße Europäer*innen überlegen gefühlt gegenüber den Menschen in den Kolonien. Dafür gibt es aber keinen Grund. Sie haben Menschen in unterschiedliche “Rassen” eingeteilt. Diese Einteilung heißt “Rassenlehre”. Das haben die Menschen aus Europa als Grund genommen, die Menschen aus den Kolonien schlecht zu behandeln. Sie haben die Menschen aus den Kolonien eingesperrt und als Sklaven verkauft. Sie haben die Menschen aus den Kolonien auch nach Europa geholt, und haben sie da in Zoos und Zirkussen gezeigt. Menschen sind alle gleich, es gibt keinen biologischen oder wissenschaftlichen Unterschied zwischen Menschen aus Europa und Menschen aus den Kolonien. Die Kolonien sind heute freie Länder, sie gehören nicht mehr zu den Ländern in Europa. Trotzdem werden dort immernoch Menschen unterdrückt. Die Länder in Europa und Nordamerika werden globaler Norden genannt, die Länder in Afrika, Südamerika und Südasien werden globaler Süden genannt. Diese Namen sollen das Ungleichgewicht zeigen. Der globale Nordn unterdrückt den globalen Süden bis heute. Ein Beispiel dafür ist Schokolade: Schokolade besteht aus Kakao. Kakao wird im globalen Süden angebaut. Der Schokolade wird aber im globalen Norden hergestellt. Deswegen bleibt der meiste Gewinn im globalen Norden. Wenn Strukturen wie die Herstellung von Schokolade heut noch so wie zur Kolonialzeit ist, dann heißt das Post-Kolonialismus.
Heute erkennt man Rassismus nicht immer leicht. Er versteckt sich und ist oft unauffällig in unserer Gesellschaft. Das erkennt man zum Beispiel daran, dass das Geburtsland eines Menschen über die Möglichkeiten entscheidet. Seit dem Kolonialismus im 19. Jahrhundert hat sich viel verändert. Heute sind viele Themen dazu gekommen, die trotzdem das gleichen Muster haben. Das heißt Neo-Kolonialismus. Ein Beispiel dafür ist die Verteilung von Corona-Impfstoffen. Im globalen Norden gibt es genug Impftoff für alle Menschen, im globalen Süden gibt es zu wenig Impftoff für die Menschen. In Indien wird der meiste Impftoff hergestellt. Dieser Impftoff wird in den globalen Norden verkauft und nicht den Menschen in Indien gegeben. In Europa kommen Menschen, die migrantisiert werden, schlechter an das Gesundheitssystem als weiße Menschen.
Original: “Jede Gesellschaft wird durch historisch gewachsene Stukturen getragen, in die die Geschichte eingeschrieben ist. Daher kann man davon sprechen, dass Rassismus strukturell überall in Kultur und Gesellschaft verankert ist und damit in allen Bereichen wirksam war und ist. Genau das meint der Begriff >>struktureller Rassismus<<, dass sich die Wirkung des geschichtlichen Rassismus überall entfaltet. Überall meint: in den gesellschaftlichen und kulturellen Tiefenstrukturen. Selbst dann, wenn dies keiner mehr möchte.” (Aladin El-Mafaalani 2021: 27)
(Eine Gesellschaft hat eine bestimmte Art und Weise wie Menschen zusammen leben, weil sie es auch früher schon so gemacht hat. Das heißt Strukturen einer Gesellschaft, die meisten Strukturen kommen von ihrer Geschichte. Auch Rassismus ist eine Struktur und kommt aus dem Kolonialismus. Deswegen ist Rassismus auch in der Gesellschaft fest drin. Rassismus ist heute in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Das heißt “struktureller Rassismus”.
Wir wollen Rassismus überwinden, deswegen müssen wir verstehen, wo er herkommt und wie er wirkt. Das Mut gegen Rechts Festival 2022 beschäftigt sich mit Kolonialismus. Dazu gehört die Geschichte des Kolonialismus im 19. Jahrhundert und was wir davon heute davon merken.
Wir stellen Frahen und suchen nach Antworten: Wer hat in Ludwigsburg gewonnen wegen dem Kolinialismus? Was hat Deutschland und Baden-Württemberg gemacht während des Kolonialismus? Was sehen wir heute noch in Ludwigsburg vom Kolonialismus? Hat Kolonialismus noch andere Diskriminierungen in unsere Gesellschaft gebracht? Was hat Kolonialismus mit globaler Gerechtigkeit zu tun?
Aber wir wollen auch handeln lernen: Wie können wir unser Wissen über Rassismus positiv gegen Rassismus nutzen? Wie können wir rassismuskritisch Handeln lernen? Wie können wir von Rassismus betroffenen Menschen unterstützen und zu Verbündeten werden? Wie können wir die Gesellschaft ein Stück weiter bewegen, diese Stukturen zu hinterfragen und abzubauen?